Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland: Erhebung liegt vor

Statistisches Bundesamt legt erstmals Erhebung zu Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland vor

Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland

Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland: mehr als Goethe

Dass das Lernen im Erwachsenenalter aus ökonomischer und gesellschaftlicher Perspektive zunehmend an Bedeutung gewinnt, dürfte nicht erst klar geworden sein, seit Schlagworte wie demografischer Wandel, Globalisierung und Wissensgesellschaft auch den bildungspolitischen Diskurs bestimmen. Insbesondere dem Thema Weiterbildung kommt in dieser Diskussion dabei ein hoher Stellenwert zu. Vor diesem Paradigmenwechsel war eine Erhebung zu Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland so notwendig wie überfällig.

Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland: bislang keine strukturierten Aussagen möglich

Der Weiterbildungsmarkt selbst ist dabei jedoch eine Gleichung mit mehreren Unbekannten, denn weder waren bislang verlässliche strukturierte Aussagen zu Weiterbildungsangeboten möglich, noch lag eine Übersicht über die institutionelle Weiterbildungslandschaft und deren aktuelle Entwicklung vor: Umfassende Daten zum Weiterbildungsangebot nach einem einheitlichen Konzept? Nope. Vor diesem Hintergrund wurde das Statistische Bundesamt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gebeten, eine Erhebung zu Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland durchzuführen.

Ziel des Projektes war es zu prüfen, ob die für den Aufbau einer umfassenden Statistik im Weiterbildungsbereich notwendigen Daten bei allen Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland überhaupt bzw. in geeigneter Form und in der gewünschten Gliederung vorliegen und somit mit einer Erfassung des verfügbaren Weiterbildungsangebots und der verschiedenen Anbieterstrukturen erstmals eine Übersicht über die institutionelle Weiterbildungslandschaft und deren aktuelle Entwicklung ermöglicht werden kann.

Methodisch so schwierig wie anspruchsvoll

Dass dies kein einfaches Unterfangen war, hängt einerseits damit zusammen, dass allein der Zugang zu den einzelnen Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland schon schwierig war, weil es beim Statistischen Bundesamt interne keine verlässliche Datenbasis gab und das Adressmaterial aus Sekundärquellen stammte, die obendrein nicht aktuell waren.

Andererseits wurde entsprechend der Zielsetzung der Erhebung die gesamte Bandbreite der Anbieter von Fort- und Weiterbildung berücksichtigt: Der Begriff “Weiterbildung” an sich ist sehr heterogen und umfasst neben Bildungsanbietern, die z.B. berufsqualifizierende Trainingsmaßnahmen anbieten, auch Fahrschulen, Tanzschulen oder selbstständige Lehrer.

Ergebnisse: Ohne Auskunftspflicht kann kein Bildungsbudget erstellt werden

Die Ergebnisse sind aus meiner Sicht vor allem bezüglich der methodischen Zielsetzung von großem Interesse: Zahlreiche Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland und selbstständige Lehrerinnen und Lehrer haben mitgeteilt, dass sie Informationen zu Einnahmen und Ausgaben als sensible Daten betrachten. Da die Erhebung auf freiwilliger Basis durchgeführt wurde, haben viele Befragte einzelne Aspekte (insbesondere Fragen nach den Einnahmen und Ausgaben) bewusst unbeantwortet gelassen.

Da für die Erstellung des Bildungsbudgets Informationen über die Einnahmen und Ausgaben der Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland benötigt werden, halten es die Autoren für zweckmäßig, bei einer auf Dauer angelegten Trägerstatistik eine Auskunftspflicht vorzusehen. Die Auskunftspflicht könnte auch dazu beitragen, die Belastung der Auskunftspflichtigen insgesamt zu reduzieren, da die Stichprobe kleiner sein kann als bei einer Erhebung ohne Auskunftspflicht.

Zusammenfassend muss also festgestellt werden, dass die im Rahmen der Erhebung gewonnenen Daten mit entsprechenden Vorbehalten zu interpretieren sind.

Ausgewählte inhaltliche Ergebnisse

Die Erhebung hat aber auch eine Reihe von inhaltlichen Ergebnissen erbracht:

  • Bei Unternehmen, die Fort- und Weiterbildung anbieten, arbeitet ein Großteil der Lehrkräfte als Honorarkräfte, d. h. als freiberuflich Tätige. Für das Jahr 2010 betrug ihr Anteil an den Lehrkräften insgesamt knapp 78 %.
  • Frauen partizipieren überdurchschnittlich an Veranstaltungen im Fort- und Weiterbildungsbereich. Rund 59 % aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Veranstaltungen im Jahr 2010 waren weiblich, der Anteil der Männer betrug entsprechend knapp 41 %. Die höheren Teilnahmezahlen von Frauen in diesem Bereich spiegeln sich auch in anderen Erhebungen zur Weiterbildung wieder, z. B. in Ergebnissen der Volkshochschulstatistik.
  • Der überwiegende Teil der Veranstaltungen war dabei in Form von Langzeitveranstaltungen angelegt, d. h. als Kurs oder Lehrgang von einer Dauer von über einem Tag oder als regelmäßig stattfindende Veranstaltung. Knapp 67 % aller Veranstaltungen entfielen auf diese Veranstaltungsform; rund 33 % der Veranstaltungen fanden demgegenüber als Kurzzeitveranstaltung von maximal einem Tag Dauer statt.
  • Bei einer Betrachtung der Einnahmen ist der hohe Anteil der Teilnehmerentgelte an den Gesamteinnahmen hervorzuheben. Rund 74 % der Einnahmen kamen aus Teilnehmerentgelten.
  • Der größte Teil der den Anbietern von Fort- und Weiterbildung entstehenden Kosten entfällt auf die Personalausgaben mit einem Anteil von 43 % an den Gesamtausgaben. Auf rund 22 % belaufen sich Ausgaben, die für Honorare für Dozentinnen und Dozenten anfallen. 30 % werden für andere laufende Sachaufwendungen verwendet.

Fazit: Guter Ansatz mit methodischen Herausforderungen, die bei künftigen Erhebungen überdacht werden sollten

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass wir nun hinsichtlich der Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland nicht mehr im Nebel stochern, aber nach wie vor im Trüben fischen. Oder umgekehrt. Aber das ist besser als nichts, weil vor allem die methodischen Hinweise für das Re-Design einer künftigen Erhebung sachdienliche Hinwese gegeben haben.

  • Auf freiwilliger Basis können mit dem hier vorgestellten Erhebungskonzept keine validen Informationen zum institutionellen Weiterbildungsangebot und zu den Einnahmen und Ausgaben der Weiterbildungsträger erhoben werden. Für eine solche Erhebung ist eine entsprechende gesetzliche Verankerung der Erhebung mit Auskunftspflicht erforderlich.
  • Die Zielsetzung der Erhebung führte darüber hinaus zu einer Berücksichtigung der gesamten Bandbreite der Anbieter von Fort- und Weiterbildung in der Erhebung. Dass somit von einer sehr heterogenen Befragtengruppe ein einheitlicher Fragebogen beantwortet wurde, hat in einem großen Umfang zu inhaltlichen Problemen bei der Beantwortung des Fragebogens geführt. Vor diesem Hintergrund ist ggf. eine Einschränkung der Auswahlgrundlage für künftige Erhebungen empfehlenswert. Dies gilt insbesondere für Fahrschulen und für Musikschulen, in denen viele Schülerinnen und Schüler unterrichtet wurden. Für diese Weiterbildungsträger sollten ggf. spezielle Erhebungsbogen entwickelt werden, um auf die jeweilige spezifische Situation besser eingehen zu können.
  • Auch über die Art der Einbeziehung von selbstständigen Lehrerinnen und Lehrern sollte insgesamt nochmals ausführlich beraten werden.
  • Darüber hinaus ist es notwendig, den Erhebungsbogen mit einer umfassenden Erläuterung, unter einer stärkeren Einbeziehung konkreter Beispiele, zu versehen.

Nur so kann zukünftig ein möglichst realitätsgetreues Abbild der inhaltlich sehr heterogenen und teilweise sehr komplex strukturierten Weiterbildungslandschaft in Deutschland gewonnen werden.

Die detaillierten Ergebnisse der Erhebung zu Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland liegen nun im online verfügbaren Bericht vor. (PDF-Dokument, 41 Seiten, 2013)